18.10.2018: Pollhans, Bundesjungschützentag, Weihnachtsmarkt... ohne Klärwerk läuft nichts!

Im Klärwerk wühlt man nicht im Dreck – jedenfalls bei weitem nicht immer. Hier vereinen sich Mechanik, Elektrotechnik, Chemie, Biologie und Schlosserei. Und das komplett vernetzt. Was das bedeutet, durfte ich mir heute Morgen hautnah anschauen: Das Klärwerk weiß alles!

Ich schaue gemeinsam mit Günter Radtke auf ein Diagramm auf einem Bildschirm. Hier werden permanent alle möglichen Werte festgehalten. „Siehst Du diese extremen Ausschläge im Diagramm heute Morgen? Das war nichts Schlimmes. Da saß nur eine Schnecke auf dem Sensor. Um acht Uhr hat der Kollege sie entfernt. Und schon passen die Werte wieder“, erzählt mir mein Kollege Günter Radtke und schmunzelt. Ich fühle mich leicht veräppelt, aber er meint das wirklich ernst! Und die deutlich erhöhte Zulaufmenge vor ein paar Tagen? „Da baut jemand und hat deswegen das Grundwasser abgesenkt. Zum Glück wurde das vorher ordnungsgemäß angemeldet“. Sonst hätten die Kollegen vom Klärwerk  das Kanalsystem nämlich aufgrund der Diagramme nach Defekten absuchen müssen. Die regelmäßige Kanalnetzbetreuung gehört sowieso zum Arbeitsalltag der Klärwerker.

 

Als erstes zeigt mir Günter Radtke an diesem Vormittag das Verwaltungsgebäude. Jeder der sieben Mitarbeiter hat einen eigenen sogenannten Schwarz-Weiß-Spint. Schwarz steht für die Berufskleidung (die eigentlich blau und signal-orange ist), weiß für die private, saubere Kleidung, die morgens abgelegt und erst nach dem Duschen wieder angezogen wird. Die Dienstkleidung wird wegen der möglichen Kontamination mit Keimen vor Ort gewaschen, damit Familie und Freunde im privaten Umfeld nicht damit in Kontakt geraten. „Unsere Männer-WG wäscht selbst“, meint Günter.

Das Klärwerk wurde 1978 gebaut. An der Wand im Flur hängt noch eine alte Karte. Anfang der 1990er Jahre war das mal ein Ausstellungsstück auf Pollhans, als sich das Klärwerk dort mit einem Werbestand im Wirtschaftszelt vorgestellt hat. Auch heute noch ist die Arbeit der Kollegen vom Klärwerk für den Pollhans-Markt sehr wichtig. „Wir sorgen für die Druckentwässerungspumpe zur Einleitung des Abwassers auf dem Übernachtungsplatz der Schausteller. Und natürlich dafür, dass die Toilettenwagen richtig angeschlossen werden. Als besonderen Service decken wir die Kanaldeckel  mit Folie ab. Ansonsten stinkt es auf dem Bauernmarkt…“. Ich sage stellvertretend für alle Pollhans-Liebhaber „Danke“:)

Das Zulaufpumpwerk ist ausgelegt auf 311 Liter pro Sekunde. Das kann bei den extremen Starkregen-Ereignissen der letzten Jahre eng werden. Dann kommen auch schon mal 450 Liter pro Sekunde an. Der Tipp vom Fachmann: möglichst viel vom sauberen Regenwasser grundsätzlich auf dem eigenen Grundstück verwenden oder versickern lassen, durch Regensammelbehälter, Drainage-Schichten und Verrieselung. Der Sennesand bietet sich dafür ja nun mal an. Und es spart Kosten! Während es in Schloß Holte übrigens ein sogenanntes Mischwassersystem gibt, hat Stukenbrock Trennkanalisation: hier wird das Regenwasser getrennt vom Schmutzwasser direkt den Bächen zugeleitet. Was das bedeutet, ist klar: wer sein Wischwasser mit Seifenlauge in den Straßengulli kippt oder sein Auto zu Hause wäscht, könnte das Abwasser auch direkt in den Ölbach gießen – mit den bekannten Folgen für die Umwelt.

In der Ecke des weitläufigen Klärwerk-Grundstücks liegt noch eine der offenen Schnecken aus dem Zulauf-Hebewerk der ersten Stunde. Die wurde vor wenigen Wochen durch eine Rohrschnecke ersetzt. Wenn das aus ganz Schloß Holte-Stukenbrock  stammende Abwasser gesammelt am Klärwerk ankommt, wird es einmal angehoben, um den Rest des Klärprozesses ohne weitere Pumpen durchlaufen zu können. Dabei kommen mehrere mechanische Reinigungsprozesse zum Tragen. Dann wird biologisch gereinigt, je nach Laborwerten, die permanent gemessen werden, ergänzt um eine chemische Reinigung. Aus dem zurückbleibenden Schlamm wird im Faulturm Gas gewonnen. Und mit dem Gas wiederum wird das Klärwerk mit Energie und Wärme versorgt, ein fast formvollendeter Kreislauf. Am Ende bleibt relativ trockener Klärschlamm über, der abtransportiert und in einer Verbrennungsanlage entsorgt wird.

Und die Moral von der Geschicht‘: ohne Klärwerk geht es nicht! Die Kollegen vom Klärwerk haben einen abwechslungsreichen und anspruchsvollen Job, bei dem man nicht nur, aber auch schon mal im Dreck wühlen muss. Und ich bin dankbar, dass sie sich jederzeit, 24 Stunden am Tag, um unser Kanalsystem kümmern und damit dafür sorgen, dass wir Normalbürger loswerden, was wir loswerden wollen und müssen – ob auf Pollhans, dem Bundesjungschützentag, dem Weihnachtsmarkt oder zu Hause…

Mehr Infos und Gruppenführungen für Erwachsene und Kinder:

Klärwerk Schloß Holte-Stukenbrock
Wapelweg 45, 33758 Schloß Holte-Stukenbrock
Telefon 05207 2885
www.stadt-shs.de

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