Bürgerinfo zu den Themen Energie, Klima, Mobilität und Natur

Ein Kraftwerk auf dem eigenen Dach – das verspricht Unabhängigkeit von steigenden Strompreisen und ein gutes Klimagewissen. Doch in den vergangenen Jahren haben sich die Rahmenbedingungen für eine Solarstromanlage erheblich verändert. Rentiert sich deren Einbau heutzutage noch? In jedem Fall dann, wenn man möglichst viel vom Strom selbst verbraucht. Eigenverbrauch ist stets die rentablere Variante, da jede selbst genutzte Kilowattstunde Sonnenstrom nicht gekauft werden muss.

1. Einspeisevergütung. Der Photovoltaik-(PV)-Markt ist eingebrochen. Wurden von 2010 bis 2012 noch Neuanlagen mit jährlichen Gesamtleistungen zwischen 7?000 und 8?000 Megawatt (MW) installiert, waren es 2015 nicht mal mehr 1?500 MW. Der Grund: Die Bundesregierung hat die Einspeisevergütung für Solarstrom drastisch gekürzt. Wer sich im ersten Halbjahr 2011 eine Anlage aufs Dach schrauben ließ, bekam und bekommt auch heute noch von den Netzbetreibern pro eingespeister Kilowattstunde (kWh) 28,74 Cent überwiesen – denn die fixe Vergütung gilt für 20 Jahre. Für Anlagen, die 2016 in Betrieb gingen, gibt es nur noch 12,31 Cent. Im Laufe dieses Jahres soll der Vergütungssatz geringfügig auf 12,70 Cent steigen. Das Niveau von 2011 wird allerdings nicht wieder erreicht.

2. Rendite. Das Freiburger Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme berechnete, dass kleine Anlagen den Solarstrom zu Selbstkosten zwischen 10 und 12 Cent pro kWh erzeugen – je nachdem, ob sie in Nord- oder Süddeutschland stehen. Mit Netzeinspeisung allein ist also nur noch wenig zu verdienen. Trotzdem lohnt sich der Strom vom eigenen Dach – dann nämlich, wenn man ihn selbst verbraucht. Je größer der Eigenverbrauch, desto höher die Rendite. Das ist simple Mathematik: Haushaltsstrom aus dem öffentlichen Netz kostet derzeit im Schnitt 25 Cent netto pro kWh. Wer den eigenen Solarstrom verbraucht, statt ihn einzuspeisen, spart also zwischen 13 und 15 Cent pro kWh.

3. Eigenverbrauch. Eine PV-Anlage mit 5 kW erntet übers Jahr gerechnet im Schnitt 4?500 kWh Solarstrom und damit in etwa den Jahresverbrauch eines 4-Personen-Haushalts. Da jedoch die Zeiten von Produktion und Verbrauch auseinanderklaffen, lässt sich nur ein geringer Teil selbst verbrauchen. Denn im Winter läuft die Produktion vom Dach auf Sparflamme, nachts kommt sie gänzlich zum Erliegen. Legt man jedoch stromzehrende Hausarbeiten wie Geschirrspülen oder Wäschewaschen in Zeiten mit Sonnenschein, erhöht sich die Eigenquote auf bis zu 40 Prozent. Mit einer elektrischen Wärmepumpe als Heizung lässt sie sich nochmals steigern. Doch damit sind die Möglichkeiten zum Eigenverbrauch auch schon weitgehend ausgereizt.

4. Solarstromspeicher.
Wer die Eigenverbrauchsquote weiter steigern will, braucht einen Speicher. Das ist ein Akkusystem in Kühlschrankgröße, das geladen wird, sobald die Anlage mehr Strom produziert, als im Haushalt verbraucht wird. In der Regel wird die Kapazität so ausgelegt, dass die Akkus den Haushalt von Sonnenuntergang, wenn das Dachkraftwerk den Betrieb einstellt, bis Sonnenaufgang, wenn wieder Strom produziert wird, versorgen können. Ist der Speicher vorzeitig leer, wird das öffentliche Netz angezapft. Mit einem solchen Puffer ist das Eigenheim rund um die Uhr mit Strom versorgt – auch wenn die Sonne mal nicht scheint. „Mit Speicher lassen sich 60 bis 80 Prozent des selbsterzeugten Stroms nutzen“, sagt Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher.

5. Preisentwicklung.
Noch sind Speicher vergleichsweise teuer. Oft kosten sie mehr als die Solaranlage. Doch die Preise fallen. Von Januar 2013 bis Juni 2016 haben sich Speicher laut dem Solarwirtschaftsverband um mehr als ein Drittel verbilligt. Mit weiteren Abschlägen ist zu rechnen, denn der Markt ist zunehmend umkämpft. Neben den Pionieren der Technik mischen inzwischen auch Konzerne wie Bosch und Daimler sowie der amerikanische Elektromobil- und Batteriehersteller Tesla mit.

6. Förderung.
Die staatliche Förderbank KfW unterstützt den Speicherkauf bis Ende 2018 mit zinsgünstigen Krediten und Zuschüssen. Auch Eigentümer, die eine Anlage aus 2013 oder später nachrüsten wollen, kommen in den Genuss der Förderung. Bis Juni 2017 schießt die KfW 19 Prozent der förderfähigen Kosten von max. 2?000 Euro pro Kilowatt zu. Für eine 6-kW-Anlage sind 2?280 Euro drin; für nachgerüstete Speicher 2?508 Euro. Danach sinkt der Zuschuss um drei Prozentpunkte pro Halbjahr bis auf zehn Prozent. Allerdings wird der Zuschuss nur unter Auflagen gewährt: Die Leistung der Solarpaneele darf 30 kW nicht überschreiten, und der Anlagenbetreiber muss einen KfW-Kredit beantragen. Die Anlage darf höchstens die Hälfte der installierten Leistung ins öffentliche Netz einspeisen, und für den geförderten Speicher muss eine Zeitwertersatzgarantie des Herstellers vorgelegt werden.

7. Photovoltaik-(PV)-Anlage.
Energieexperte Peters vom Bund der Energieverbraucher hält den Zeitpunkt für günstig, in eine eigene PV-Anlage zu investieren. Die Preise für Solarmodule seien im letzten Quartal 2016 um ein Viertel gesunken. Eine typische Dachanlage fürs Eigenheim kostet demnach inklusive Montage etwa 1?200 Euro pro Kilowatt Leistung. Hinzu kommt der Speicher. Bei guter Planung garantiert eine Solarstromanlage auch in Zeiten historisch niedriger Zinsen eine sichere Rendite.

In der Küche wird gekocht, der Müll getrennt und der Einkauf gelagert. Kühlschrank und Herd bergen Potenziale – für überzeugte Ökos und Sparfüchse. Denn große Haushaltsgeräte brauchen viel Strom. Bei geschickter Gerätenutzung lässt sich in einem 3-Personen-Haushalt Strom für fast 100 Euro pro Jahr sparen. An unseren persönlichen CO2-Emissionen hat der Stromverbrauch aber nur einen Anteil von sieben Prozent, fast doppelt so viel ist es bei der Ernährung. Wichtig fürs Klima ist daher vor allem auch, was wir essen und wie viel davon in den Müll wandert: 82 Kilo unverdorbene Lebensmittel landen im Schnitt bei jedem von uns in der Tonne, das sind 17 Prozent aller Einkäufe – und das kostet richtig Geld: Auf 235 Euro pro Kopf summiert sich der Essensmüll für jeden von uns im Jahr. Und wenn man noch die Müllgebühren hinzu addiert, lohnt sich der Aufwand fürs Müllvermeiden allemal.

Am häufigsten weggeworfen werden Obst, Gemüse und Backwaren – alles Lebensmittel, die täglich bis zum Ladenschluss in großer Auswahl angeboten werden. Ein Kilo Brot im Müll produziert so viel unnötiges CO2 wie 3,5 km Autofahren. Die scheinbar unbegrenzte Verfügbarkeit von Lebensmitteln gehört neben dem vergleichsweise niedrigen Preisniveau und schlechter Einkaufsplanung zu den Hauptgründen für unseren nachlässigen Umgang mit Lebensmitteln.

Auch wichtig: das Mindesthaltbarkeitsdatum hinterfragen. Es ist einer der häufigsten Gründe, warum Lebensmittel ungeöffnet im Müll landen. Manche Lebensmittel halten durchaus einige Tage länger als angegeben, andere wie Nudeln oder Mehl im Grunde nahezu unbegrenzt. Die eigenen Sinne helfen dabei, die Essbarkeit zu überprüfen. Im Laden selbst verschwinden Produkte teilweise schon vorm Ablauf des Datums aus dem Regal und landen im Müll. Gerade für sofortigen Verbrauch also auch kaufen, was bald abläuft oder kleine Schönheitsfehler hat – ist oft im Preis reduziert.

Wer Müll trennt, tut etwas für die Umwelt. Plastikverpackungen können wieder zu Produkten werden. Getrenntes Sammeln ist daher sinnvoll. Heute landet zwar noch die Hälfte unserer Kunststoffverpackungen im Müllofen – heißt dann energetische Verwertung –, aber mehr wird gesetzlich noch nicht verlangt. Technisch ginge es besser. Besonders wirkungsvoll ist es, Altglas und -papier zu trennen: Beides wird fast vollständig wiederverwertet und spart Energie und Wasser. Ein Kilo verwertetes Altglas entlastet das Klima so stark wie der Verzicht auf 2,5 km Autofahrt, bei Altpapier sind es 4 km. Aber fahren Sie nicht für kleinste Abfallmengen extra mit dem Auto zum Wertstoffhof, das würde dann die Umweltvorteile der Sammlung schnell wieder aufbrauchen.

Infos und Tipps gegen das Wegwerfen bietet www.zugutfuerdietonne.de
Verbrauch für Herstellung, Transport, Lagerung ist einfach zu kalkulieren unter www.resterechner.de

Geräte-Tipps, die echt was bringen

1. Neue, effizientere Haushaltsgeräte. Die können zwar die Stromrechnung senken, sind aber eine große Investition. Klassisches Stromsparen lässt sich einfacher anpacken. Schon kleine Handgriffe und Gewohnheitsänderungen sparen Geld.

2. Wasserkocher.
Die wichtigste Anschaffung, wenn Sie mit Strom kochen, ist ein moderner Wasserkocher. Das ist zwar ein weiteres elektrisches Gerät, aber eines, das sich lohnt. Denn gegenüber einem Glaskeramikkochfeld lässt sich ein Liter Wasser in einem Wasserkocher um 1,6 Cent preiswerter erwärmen. Am besten auch Nudelwasser darin vorkochen.

3. Spülmaschine. Gut zwei Drittel aller Haushalte haben eine Spülmaschine, Tendenz steigend. Trotz Zusatzgerät: Das ist gut für die Umwelt, denn Spülen per Hand benötigt weit mehr Strom und Wasser als eine moderne Maschine. Einziger Haken: Richtig sparsam sind nur die Sparprogramme mit bis zu vier Stunden Laufzeit. Da ist Geduld gefragt. Und die lohnt sich: 15 Euro weniger auf der Stromrechnung, wenn Sie länger und weniger heiß waschen. Nicht zu kalt stellen: 50 °C reichen für normalen Schmutz. Teller-Vorwäsche von Hand besser vermeiden, abwischen mit Küchentuch reicht.

4. Kühl- und Gefriergeräte. Gerade ältere Kühl- und Gefriergeräte sind oft Stromfresser. Schon kleine Veränderungen haben hier große Wirkung: Bis zu 30 Prozent weniger CO2 und Strom können es sein, das spart rund 45 Euro. Wichtig: Eisfächer und Gefriergeräte regelmäßig abtauen, auf fest anliegende Türdichtungen achten und Tiefgekühltes erst im Kühlschrank auftauen lassen. Nach dem Frühstück sollten Milch, Käse und Wurst schnell wieder zurück in den Kühlschrank, umso sparsamer ist das Abkühlen. Nicht zu kalt regeln: Ideal sind sieben Grad Celsius im Kühlschrank und minus achtzehn Grad im Gefriergerät. Und: nicht neben Ofen oder Heizung stellen, nicht in die Sonne.

5. Ofen, Platte, Topf, Deckel.
Müssen in der Größe zueinanderpassen. Deckel immer zu! Ofen vorheizen muss nicht sein. Hitze früh herunterdrehen, Umluft nutzen.

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