Bürgerinfo zu den Themen Energie, Klima, Mobilität und Natur

Ein Kraftwerk auf dem eigenen Dach – das verspricht Unabhängigkeit von steigenden Strompreisen und ein gutes Klimagewissen. Doch in den vergangenen Jahren haben sich die Rahmenbedingungen für eine Solarstromanlage erheblich verändert. Rentiert sich deren Einbau heutzutage noch? In jedem Fall dann, wenn man möglichst viel vom Strom selbst verbraucht. Eigenverbrauch ist stets die rentablere Variante, da jede selbst genutzte Kilowattstunde Sonnenstrom nicht gekauft werden muss.

1. Einspeisevergütung. Der Photovoltaik-(PV)-Markt ist eingebrochen. Wurden von 2010 bis 2012 noch Neuanlagen mit jährlichen Gesamtleistungen zwischen 7?000 und 8?000 Megawatt (MW) installiert, waren es 2015 nicht mal mehr 1?500 MW. Der Grund: Die Bundesregierung hat die Einspeisevergütung für Solarstrom drastisch gekürzt. Wer sich im ersten Halbjahr 2011 eine Anlage aufs Dach schrauben ließ, bekam und bekommt auch heute noch von den Netzbetreibern pro eingespeister Kilowattstunde (kWh) 28,74 Cent überwiesen – denn die fixe Vergütung gilt für 20 Jahre. Für Anlagen, die 2016 in Betrieb gingen, gibt es nur noch 12,31 Cent. Im Laufe dieses Jahres soll der Vergütungssatz geringfügig auf 12,70 Cent steigen. Das Niveau von 2011 wird allerdings nicht wieder erreicht.

2. Rendite. Das Freiburger Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme berechnete, dass kleine Anlagen den Solarstrom zu Selbstkosten zwischen 10 und 12 Cent pro kWh erzeugen – je nachdem, ob sie in Nord- oder Süddeutschland stehen. Mit Netzeinspeisung allein ist also nur noch wenig zu verdienen. Trotzdem lohnt sich der Strom vom eigenen Dach – dann nämlich, wenn man ihn selbst verbraucht. Je größer der Eigenverbrauch, desto höher die Rendite. Das ist simple Mathematik: Haushaltsstrom aus dem öffentlichen Netz kostet derzeit im Schnitt 25 Cent netto pro kWh. Wer den eigenen Solarstrom verbraucht, statt ihn einzuspeisen, spart also zwischen 13 und 15 Cent pro kWh.

3. Eigenverbrauch. Eine PV-Anlage mit 5 kW erntet übers Jahr gerechnet im Schnitt 4?500 kWh Solarstrom und damit in etwa den Jahresverbrauch eines 4-Personen-Haushalts. Da jedoch die Zeiten von Produktion und Verbrauch auseinanderklaffen, lässt sich nur ein geringer Teil selbst verbrauchen. Denn im Winter läuft die Produktion vom Dach auf Sparflamme, nachts kommt sie gänzlich zum Erliegen. Legt man jedoch stromzehrende Hausarbeiten wie Geschirrspülen oder Wäschewaschen in Zeiten mit Sonnenschein, erhöht sich die Eigenquote auf bis zu 40 Prozent. Mit einer elektrischen Wärmepumpe als Heizung lässt sie sich nochmals steigern. Doch damit sind die Möglichkeiten zum Eigenverbrauch auch schon weitgehend ausgereizt.

4. Solarstromspeicher.
Wer die Eigenverbrauchsquote weiter steigern will, braucht einen Speicher. Das ist ein Akkusystem in Kühlschrankgröße, das geladen wird, sobald die Anlage mehr Strom produziert, als im Haushalt verbraucht wird. In der Regel wird die Kapazität so ausgelegt, dass die Akkus den Haushalt von Sonnenuntergang, wenn das Dachkraftwerk den Betrieb einstellt, bis Sonnenaufgang, wenn wieder Strom produziert wird, versorgen können. Ist der Speicher vorzeitig leer, wird das öffentliche Netz angezapft. Mit einem solchen Puffer ist das Eigenheim rund um die Uhr mit Strom versorgt – auch wenn die Sonne mal nicht scheint. „Mit Speicher lassen sich 60 bis 80 Prozent des selbsterzeugten Stroms nutzen“, sagt Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher.

5. Preisentwicklung.
Noch sind Speicher vergleichsweise teuer. Oft kosten sie mehr als die Solaranlage. Doch die Preise fallen. Von Januar 2013 bis Juni 2016 haben sich Speicher laut dem Solarwirtschaftsverband um mehr als ein Drittel verbilligt. Mit weiteren Abschlägen ist zu rechnen, denn der Markt ist zunehmend umkämpft. Neben den Pionieren der Technik mischen inzwischen auch Konzerne wie Bosch und Daimler sowie der amerikanische Elektromobil- und Batteriehersteller Tesla mit.

6. Förderung.
Die staatliche Förderbank KfW unterstützt den Speicherkauf bis Ende 2018 mit zinsgünstigen Krediten und Zuschüssen. Auch Eigentümer, die eine Anlage aus 2013 oder später nachrüsten wollen, kommen in den Genuss der Förderung. Bis Juni 2017 schießt die KfW 19 Prozent der förderfähigen Kosten von max. 2?000 Euro pro Kilowatt zu. Für eine 6-kW-Anlage sind 2?280 Euro drin; für nachgerüstete Speicher 2?508 Euro. Danach sinkt der Zuschuss um drei Prozentpunkte pro Halbjahr bis auf zehn Prozent. Allerdings wird der Zuschuss nur unter Auflagen gewährt: Die Leistung der Solarpaneele darf 30 kW nicht überschreiten, und der Anlagenbetreiber muss einen KfW-Kredit beantragen. Die Anlage darf höchstens die Hälfte der installierten Leistung ins öffentliche Netz einspeisen, und für den geförderten Speicher muss eine Zeitwertersatzgarantie des Herstellers vorgelegt werden.

7. Photovoltaik-(PV)-Anlage.
Energieexperte Peters vom Bund der Energieverbraucher hält den Zeitpunkt für günstig, in eine eigene PV-Anlage zu investieren. Die Preise für Solarmodule seien im letzten Quartal 2016 um ein Viertel gesunken. Eine typische Dachanlage fürs Eigenheim kostet demnach inklusive Montage etwa 1?200 Euro pro Kilowatt Leistung. Hinzu kommt der Speicher. Bei guter Planung garantiert eine Solarstromanlage auch in Zeiten historisch niedriger Zinsen eine sichere Rendite.

In der Küche wird gekocht, der Müll getrennt und der Einkauf gelagert. Kühlschrank und Herd bergen Potenziale – für überzeugte Ökos und Sparfüchse. Denn große Haushaltsgeräte brauchen viel Strom. Bei geschickter Gerätenutzung lässt sich in einem 3-Personen-Haushalt Strom für fast 100 Euro pro Jahr sparen. An unseren persönlichen CO2-Emissionen hat der Stromverbrauch aber nur einen Anteil von sieben Prozent, fast doppelt so viel ist es bei der Ernährung. Wichtig fürs Klima ist daher vor allem auch, was wir essen und wie viel davon in den Müll wandert: 82 Kilo unverdorbene Lebensmittel landen im Schnitt bei jedem von uns in der Tonne, das sind 17 Prozent aller Einkäufe – und das kostet richtig Geld: Auf 235 Euro pro Kopf summiert sich der Essensmüll für jeden von uns im Jahr. Und wenn man noch die Müllgebühren hinzu addiert, lohnt sich der Aufwand fürs Müllvermeiden allemal.

Am häufigsten weggeworfen werden Obst, Gemüse und Backwaren – alles Lebensmittel, die täglich bis zum Ladenschluss in großer Auswahl angeboten werden. Ein Kilo Brot im Müll produziert so viel unnötiges CO2 wie 3,5 km Autofahren. Die scheinbar unbegrenzte Verfügbarkeit von Lebensmitteln gehört neben dem vergleichsweise niedrigen Preisniveau und schlechter Einkaufsplanung zu den Hauptgründen für unseren nachlässigen Umgang mit Lebensmitteln.

Auch wichtig: das Mindesthaltbarkeitsdatum hinterfragen. Es ist einer der häufigsten Gründe, warum Lebensmittel ungeöffnet im Müll landen. Manche Lebensmittel halten durchaus einige Tage länger als angegeben, andere wie Nudeln oder Mehl im Grunde nahezu unbegrenzt. Die eigenen Sinne helfen dabei, die Essbarkeit zu überprüfen. Im Laden selbst verschwinden Produkte teilweise schon vorm Ablauf des Datums aus dem Regal und landen im Müll. Gerade für sofortigen Verbrauch also auch kaufen, was bald abläuft oder kleine Schönheitsfehler hat – ist oft im Preis reduziert.

Wer Müll trennt, tut etwas für die Umwelt. Plastikverpackungen können wieder zu Produkten werden. Getrenntes Sammeln ist daher sinnvoll. Heute landet zwar noch die Hälfte unserer Kunststoffverpackungen im Müllofen – heißt dann energetische Verwertung –, aber mehr wird gesetzlich noch nicht verlangt. Technisch ginge es besser. Besonders wirkungsvoll ist es, Altglas und -papier zu trennen: Beides wird fast vollständig wiederverwertet und spart Energie und Wasser. Ein Kilo verwertetes Altglas entlastet das Klima so stark wie der Verzicht auf 2,5 km Autofahrt, bei Altpapier sind es 4 km. Aber fahren Sie nicht für kleinste Abfallmengen extra mit dem Auto zum Wertstoffhof, das würde dann die Umweltvorteile der Sammlung schnell wieder aufbrauchen.

Infos und Tipps gegen das Wegwerfen bietet www.zugutfuerdietonne.de
Verbrauch für Herstellung, Transport, Lagerung ist einfach zu kalkulieren unter www.resterechner.de

Geräte-Tipps, die echt was bringen

1. Neue, effizientere Haushaltsgeräte. Die können zwar die Stromrechnung senken, sind aber eine große Investition. Klassisches Stromsparen lässt sich einfacher anpacken. Schon kleine Handgriffe und Gewohnheitsänderungen sparen Geld.

2. Wasserkocher.
Die wichtigste Anschaffung, wenn Sie mit Strom kochen, ist ein moderner Wasserkocher. Das ist zwar ein weiteres elektrisches Gerät, aber eines, das sich lohnt. Denn gegenüber einem Glaskeramikkochfeld lässt sich ein Liter Wasser in einem Wasserkocher um 1,6 Cent preiswerter erwärmen. Am besten auch Nudelwasser darin vorkochen.

3. Spülmaschine. Gut zwei Drittel aller Haushalte haben eine Spülmaschine, Tendenz steigend. Trotz Zusatzgerät: Das ist gut für die Umwelt, denn Spülen per Hand benötigt weit mehr Strom und Wasser als eine moderne Maschine. Einziger Haken: Richtig sparsam sind nur die Sparprogramme mit bis zu vier Stunden Laufzeit. Da ist Geduld gefragt. Und die lohnt sich: 15 Euro weniger auf der Stromrechnung, wenn Sie länger und weniger heiß waschen. Nicht zu kalt stellen: 50 °C reichen für normalen Schmutz. Teller-Vorwäsche von Hand besser vermeiden, abwischen mit Küchentuch reicht.

4. Kühl- und Gefriergeräte. Gerade ältere Kühl- und Gefriergeräte sind oft Stromfresser. Schon kleine Veränderungen haben hier große Wirkung: Bis zu 30 Prozent weniger CO2 und Strom können es sein, das spart rund 45 Euro. Wichtig: Eisfächer und Gefriergeräte regelmäßig abtauen, auf fest anliegende Türdichtungen achten und Tiefgekühltes erst im Kühlschrank auftauen lassen. Nach dem Frühstück sollten Milch, Käse und Wurst schnell wieder zurück in den Kühlschrank, umso sparsamer ist das Abkühlen. Nicht zu kalt regeln: Ideal sind sieben Grad Celsius im Kühlschrank und minus achtzehn Grad im Gefriergerät. Und: nicht neben Ofen oder Heizung stellen, nicht in die Sonne.

5. Ofen, Platte, Topf, Deckel.
Müssen in der Größe zueinanderpassen. Deckel immer zu! Ofen vorheizen muss nicht sein. Hitze früh herunterdrehen, Umluft nutzen.

Klimaschutz ist existentiell. Und das Ziel lässt sich für Deutschland sehr genau benennen: Von den derzeit von uns im Schnitt verursachten elf Tonnen CO2 – so die Berechnungen des Weltklimarates,um die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten – müssen wir bis 2050 runter auf nur noch eine Tonne pro Person und Jahr! Nur noch eine Tonne CO2!

Wie das? Von diesem extrem geringen Wert sollte man sich nicht von vorneherein abschrecken lassen. Es gilt zunächst, überhaupt erst mal ein Klimabewusstsein für sich zu entwickeln und Schritt für Schritt etwas gegen den Klimawandel zu tun. Helfen kann dabei ein CO2-Rechner, mit dem man seine persönliche Klimabilanz errechnet.

Die zwölfjährige Franziska öffnete eines Tages in ihrem Computer nicht wie sonst, die Youtube-Seite, um Pferdevideos anzuschauen, sondern den CO2-Rechner der Umweltstiftung WWF. Mit der Hilfe ihres Vaters füllte sie den Fragebogen aus und erhielt ein Ergebnis, das „niederschmetternd“ war. So führt die Journalistin Petra Pinzler in ihr Buch „Vier fürs Klima“, in dem sie schildert, wie sie und ihre Familie versuchen, CO2-neutral zu leben. Es ist ein Versuch, der zwar bilanziell scheitert, nämlich den persönlichen CO2-Fußabdruck auf eine Tonne zu senken, aber „wir sind klüger geworden und unser Optimismus ist gewachsen, die Welt ein kleines bisschen zu verändern“, schreibt die Autorin. Denn selbst, wer kein Fleisch isst, kein Auto fährt, nie fliegt und auch sonst keine fossilen Brennstoffe nutzt, kann seine Klimabilanz vielleicht auf fünf Tonnen im Jahr senken. Noch weniger lässt sich in einem Industrieland wie Deutschland derzeit kaum ausstoßen. Jeder Einwohner hier stößt indirekt CO2 aus – ob er will oder nicht. Für Strom, Transport und Wärme müssen schließlich immer noch fossile Brennstoffe herhalten. „Selbst für eine rein  v e g a n e  E r n ä h r u n g fallen 1,2 Tonnen CO2 pro Jahr an”, sagt Michael Bilharz vom Umweltbundesamt (UBA). Er leitet beim UBA den Fachbereich Nachhaltige Konsumstrukturen und ist für den CO2-Rechner zuständig, den seine Umweltbehörde anbietet. Um die Bilanz auf null zu senken, bräuchte wir andere gesetzliche Rahmenbedingungen, sagt er. Überdies unterlägen auch umweltbewusste Menschen in Deutschland „leider einer Selbsttäuschung“, meint Bilharz. Sie kaufen Bioware, essen weniger Fleisch- und Milchprodukte und fahren mit dem Fahrrad. Doch, so der UBAExperte, sie unterschätzten den CO2-Ausstoß durch ihre Flugreisen, ihre schlecht isolierte Wohnung und ihr Auto. „Und das sind leider klimatechnisch die Big Points.“

Am Ende ihrer Einleitung schreibt Petra Pinzler: „Spannend fanden wir alle, zu lernen, wie wir den inneren Schweinehund, den Auto-Einflüsterer, den Mango-Esser, die Ich-brauche-eine-neue-Bluse-Einkäuferin, den Der-Klimawandel-kommt-nicht-so-schnell-Beschwichtiger und den Nutzt-doch-eh-nix-Verzweifelten in uns besiegen können.“

Die großen Posten:

1. Wohnfläche. Jeder Quadratmeter Wohnfläche trägt zu unserem CO2-Fußabdruck bei. Je mehr Fläche eine Person in Anspruch nimmt, desto größer ist der Heiz- und Strombedarf. Je schlechter das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen, beispielsweise ein Einfamilienhaus im Vergleich zum Reihenhaus, desto höhere Wärmeverluste. Je geringer die Siedlungsdichte und je peripherer der Wohnort, desto höher sind Verkehrsaufkommen und daraus resultierende Emissionen und desto höher die Leitungsverluste von Infrastrukturnetzen, darunter jene der Nah- und Fernwärme. Wer eine 130 m2 große, schlecht gedämmte Altbauwohnung beheizt, stößt rund 4,6 Tonnen CO2 pro Jahr aus.

2. Dämmungszustand. „Häuser heizen, nicht das Klima“, heißt es beim Umweltbundesamt. Wärmedämmung von Fassaden, Dach und Keller bergen gute Potenziale zum Energiesparen – gute Planung vorausgesetzt. Die Heizung ist mit 70 Prozent Anteil am Endenergieverbrauch der größte Energiefresser in privaten Haushalten. Das ist teuer – und klimaschädlich. Knapp 60 Prozent des CO2-Ausstoßes im Bereich Wohnen wird durch Heizen verursacht. Mit geeigneten Maßnahmen wie Dämmung und effizienter Heiztechnik der Primärenergiebedarf um bis zu 90 Prozent gesenkt werden.

3. Fernreisen. Wer nach New York fliegt und wieder zurück, stößt vier Tonnen CO2 aus. Das schlägt brachial ins Kontor gewissenhafter Klimaschutzbemühungen. Also: Urlaubsziele in der Nähe suchen und möglichst Bahnfahren. Und wer sich unbedingt seinen New-York-Traum erfüllen will: kompensieren. Man überweist für jeden Flug zusätzlich zum Ticketpreis einen bestimmten Betrag an einen Anbieter von CO2-Kompensationen, der damit Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern unterstützt.

4. Auto. Teilen, nicht mehr besitzen, lautet der Vorschlag. Also Carsharing nutzen, am besten nicht privat, sondern bei einer Organisation wie Cambio, Stattauto, Car2go oder DriveNow. Damit fallen überflüssige Fahrten weg. Denn: Wer nur schnell zum Bäcker muss, die Carsharingstationen aber zwei Ecken und fünf Klicks entfernt sind, geht eben zu Fuß oder schwingt sich auf das Radl. Das funktioniert am besten, wenn man das eigene Auto tatsächlich abschafft.


CO?-Rechner …


… fragen verschiedene Daten ab: zum Beispiel zur Ernährung, Ihrem Konsum, zur Mobilität und wie Sie wohnen, heizen und Strom verbrauchen. Je mehr Daten abgefragt werden, umso differenzierter das Ergebnis.

Für jede Angabe verbucht der Rechner eine CO?-Menge auf das CO?-Konto. Die zusammengerechnete Menge wird auch CO2-Fußabdruck (engl. Carbon Footprint) genannt. Den Fußabdruck stellt der Rechner dem Durchschnittsverbrauch in Deutschland und dem Soll-Wert entgegen.

Statistisch verbucht jeder Einwohner in Deutschland 11 Tonnen CO2 pro Jahr. In den USA liegt der CO2-Ausstoß sogar bei knapp 20 Tonnen, in Bangladesch aber nur bei etwa 0,24 Tonnen pro Kopf. Als ideal gilt 1 Tonne pro Person. Zweieinhalb Tonnen sind noch nachhaltig   (https://www.sauberenergie.de/klimaschutz/co2-fussabdruck).

Bäume zu pflanzen gilt als effektive Maßnahme, den Klimawandel zu bremsen. Klar, denn die grünen Blätter nehmen das Kohlendioxid (CO2) auf, nutzen den Kohlenstoff und geben Sauerstoff (O2) frei. Nun hatten sich Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich die Frage gestellt: Wieviel Kohlenstoff könnten wir weltweit speichern, wenn wir überall dort Bäume pflanzen, wo das Land nicht bereits für Ackerbau oder Städte genutzt wird? Die Wissenschaftler kamen zu einem bemerkenswerten Ergebnis. Sie analysierten auf Satellitenkarten, wo es geeigneten Platz für Wald gibt, auf dem derzeit keiner wächst. Davon wurden bewirtschaftete Felder und Siedlungen ausgenommen.

Die ETH-Forscher kamen auf 900 Millionen Hektar. Demnach stünde also ein Areal von der Größe der USA zur Aufforstung zur Verfügung. Zu den Ländern mit den größten ungenutzten Flächen sollen Russland, die USA, Kanada, Australien, Brasilien und China zählen. Und wieviel Kohlenstoff (C) aus der Atmosphäre ließe sich auf diesen Flächen unterbringen, wenn man darauf Tausend Milliarden Bäume pflanzte? Die Forscher errechneten 205 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Und das entspreche etwa zwei Drittel der CO2-Menge in der Luft, für die die Menschheit seit Beginn der Industrialisierung verantwortlich sei. Klingt hoffnungsfroh. Also nichts wie ran an die Aufforstung? Im Grunde genommen ja, denn es gilt, keine Zeit zu verlieren. Schließlich, konstatieren die ETHForscher, dauert es 50 bis 100 Jahre, bis die ausgewachsenen Bäume die 205 Milliarden Tonnen C gespeichert hätten.

Doch um diesen Plan zu verwirklichen, müsste auch die übermäßige Abholzung von Urwäldern gestoppt werden. Zudem haben Waldbrand, Schädlingsbefall, Sturm und der natürliche Lebenszyklus zur Folge, dass das gespeicherte CO2 eines Baumes eins zu eins wieder freigesetzt wird. Die Klimaschutzwirkung verpufft. Nicht zuletzt stoßen wir ja auch weiterhin Unmengen von CO2 durch das Verbrennen fossiler Rohstoffe aus. Die massive Rodung alter Wälder könne gar nicht durch noch so viel Aufforstung ausgeglichen werden, meint die Umweltorganisation Robin Wood. „Alte Wälder speichern viel mehr CO2 und Feuchtigkeit, sind artenreicher und widerstandsfähiger“, sagte Jana Ballenthien von Robin Wood der taz. „Neu aufgeforstete Wälder brauchen über hundert Jahre, ehe sie auch nur annähernd so etwas leisten können, und im schlimmsten Fall ähneln sie eher einer Monokultur.“ Auch der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf ist skeptisch: „Ohne effektiven Klimaschutz wird die fortschreitende Erwärmung zu einem massiven Verlust von existierendem Waldbestand führen, vor allem in den Tropen.“ Das Pflanzen von Bäumen sei also ein Projekt, „das wir rasch anpacken sollte“, sagt er. Nachhaltige, soziale Baumpflanzprojekte sind sicherlich unterstützenswert. Wollen wir damit aber unseren konsumfreudigen Lebensstil ausgleichen, machen wir es uns zu einfach.

Es gilt: Besser als jeder Baum, den wir pflanzen, ist der Baum, den wir erhalten.

Pflanzprojekte unterstützen:

1. Plant-for-the-Planet. Diese Kinder und Jugendinitiative wurde 2007 ins Leben gerufen. Der damals 9-jährige Gründer Felix Finkbeiner forderte am Ende seines Referats seine Mitschüler auf: „Lasst uns in jedem Land der Erde eine Million Bäume pflanzen!“ Gepflanzt sind bisher laut Website 13,6 Milliarden. Unterstützen kann man die Organisation mit einer Mitglied- oder Patenschaft, als „Botschafter für Klimagerechtuigkeit“ oder durch eine Spende. (https://www.plant-for-the-planet.org)

2. Pflanzparties. Plant-for-the-Planet will dazu animieren, eine Pflanzparty in Ihrer Kommune zu organisieren. Versuchen Sie, Ihren Bürgermeister dafür zu gewinnen, damit er eine geeignete Fläche fürs Pflanzen findet und zugleich alle Bürger seiner Stadt oder Gemeinde dazu einlädt. (Broschüre (164 S.) Baum für Baum – Jetzt retten wir Kinder die Welt: https://kurzlink.de/KhXVMd1mK)

3. Bergwaldprojekt. „Statt morgens gemütlich um zehn zum Frühstücksbuffet zu schlendern, mühen sich die Urlauber bereits seit acht mit Pflanz- und Pflegearbeiten im Dünenschutzwald. Aufstehen um sechs, Frühstück um halb sieben und dann auf dem Fahrrad zur Einsatzstelle. Feierabend um fünf. Kaum zu glauben, dieses Angebot des Bergwaldprojekts ist in der Regel Wochen, wenn nicht Monate im Voraus ausgebucht.“ (aus UmweltBriefe 09/2009). Das Bergwaldprojekt mit Sitz in Würzburg organisiert Projektwochen an 51 verschiedenen Standorten. Ziel der Arbeitseinsätze sind, die Ökosysteme zu erhalten. Der Verein finanziert sich größtenteils aus Spenden. (https://www.bergwaldprojekt.de/)

4. Im Web suchen und Bäume pflanzen. Internetnutzer unterstützen mit der Suchmaschine www.ecosia.org Baumpflanzprojekte, ohne selbst etwas zu zahlen. Denn mit dem aus Anzeigen erwirtschafteten Gewinn pflanzt Ecosia Bäume.

5. CO2-Kompensation. Sie können über CO2-Kompensierer ihre verursachten Emissionen (z.B. nach einer Flugreise) berechnen und ausgleichen lassen. Kompensationsanbieter Prima-Klima z.B. unterstützt ausschließlich Aufforstungsprojekte. Zur CO2-Kompensation werde nur der Bestand angerechnet, der dauerhaft auf der Fläche steht, versichert der Anbieter. Auch Myclimate unterstützt u.a. Baumpflanzprojekte.


Fakten zum CO2-Ausstoß

- Wir stoßen jährlich 40 Milliarden Tonnen (Mrd. t) CO2 in die Luft – Tendenz steigend. Da das CO2-Molekül 3,7-mal schwerer ist als das C-Atom, sind das 11 Mrd. t Kohlenstoff (C).

- Seit 1850 haben wir insgesamt 640 Mrd. t C verursacht – davon 31 % durch Landnutzung (meist Abholzung), 67 % durch fossile Energienutzung und 2 % sonstige Quellen.

- Obwohl wir 640 Mrd. t C emittiert haben, entspricht dieser CO2-Anstieg nur einer Gesamtmenge von 300 Mrd. t in der Luft, den Rest, also mehr als die Hälfte, haben die Ozeane und Wälder aufgenommen.

- Das natürliche Erdsystem zieht also einen Teil unserer CO2-Belastung wieder aus der Atmosphäre heraus. Das bedeutet aber auch: Wenn wir eine bestimmte Menge CO2 aus der Atmosphäre durch Aufforstung herausholen, nimmt die Menge in der Luft nicht um dieselbe Größe ab, da Ozeane und Wälder auch dies abpuffern würden.

Quelle: https://scilogs.spektrum.de/klimalounge/koennen-baeume-das-klima-retten/

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